Berchtesgaden contra Kiz

Berchtesgaden contra Kiz

“Wo hast du deinen Skiurlaub verbracht? In Berchtesgaden? Wie bitte!”
Meine Freundin ist fassungslos. 
“Das ist doch eher etwas für rüstige Senioren oder langjährige Bergsteiger.”
“Und die reisen dort nur in schneefreien Zeiten an. Ach ja, dort ist auch der Watzmann, jener angeblich so sagenumwobene Berg. Der wird in einem Lied von Ambros besungen,” ergänzt eine andere.
“Der Ambros ist Österreicher. Ob es da nicht nahe liegt, das der Watzmann gar den Österreichern gehört? Aber der Königssee, der müsste auch ganz in der Nähe sein,” mischt sich eine dritte ein.
Dann folgen Kommentare wie: “Dort gibt es ohnehin nur Alpenkitsch, Bergseeromantik, Trachtenvereine, Lederhosen und ein in Frage zu stellendes Echo. Angeblich steht am anderen Ufer einer, der den Text wiederholt.” 
“Ja, ja”, seufze ich und lasse nun nicht locker.
“Und weiter. Was habt ihr noch so an Bildzeitung verdächtiger Meinung?” Bruchstückweise erhalte ich Auskunft. Die Bunker von Hitler sind ein Begriff, ebenso der Obersalzberg. Die Amerikaner würden am Kehlstein noch immer das „Eagles Nest“ suchen. Ach ja, seit dem Winter 2009 kennt man immerhin den Funtensee, weil ein bayerischer Radiosender seinen Sprecher hoch geschickt hatte, um an der kältesten Stelle Deutschlands in einem Schlafsack zu übernachten.
Aber “IN” oder „HIPP“ wurde Berchtesgaden auch dadurch nicht.  
Kitzbühel ist angesagt. Man trifft sich zum Mittagessen und schnapseln in „Rosi’s Sonnbergstüberl“. Zum Apres Ski geht es dann ins „Fünferl“, oder ins „Stamperl“, mit oder ohne Zamperl. Abends geht man schick essen. Schick wohnen tut man sowieso. Privat oder in einem der edlen, Schweizer Chalets nachempfundenen Hotels. Coole Drinks, tanzfreudige Mädels und spendable Burschen trifft man weit nach Mitternacht im „Take Five“- und das ganz ohne Dirndl und Lederhosen. 
Da sind die Promis, da muss man hin! Dabei sein ist alles! Auch bei der Weisswurstparty in der legendären Stangl Alm.
Der Ort Kitzbühel selber hat nichts besonderes zu bieten. Ein übersehbarer Altstadtkern. In den kleinen Gässchen findet man sogar noch das eine oder andere von Pseudoarchitekten verschonte Bauernhaus. Edelboutiquen und moderne Shops prägen die Innenstadt. An Alpenkitsch mangelt es hier ebenfalls nicht. Von der Lederhose über das Ansteckzeichen bis hin zum Filzhut wird vieles angeboten.
Die Bergbahnen locken mit der neuesten Sessellift-Technik. Trotzdem steht man stundenlang an den Liftstationen an. Drängeln, schauen und lästern ist angesagt. Das Hahnenkammrennen hat mittlerweile den Ruf eines „El Arenal“, die Gäste kommen nicht zum Rennen, sondern zum Drei-Tage-Dauerbesäufnis. Die Tribünenplätze am Zielhang teilen sich Blondinen im Pelz, Herren in teurer Skikleidung und Politiker im Trachtenmantel. Der Moderator begrüßt ganz nach Ösi-Manier die Kommerzienräte und Oberbürgermeister.  
Vor allem die Münchner fühlen sich zu Hause in „ihrem Kitz“. Aber wirklich beliebt bei den Einheimischen sind sie nicht, die bayerischen Großstädter. Sie kommen an mit ihren extra für das Wochenende geliehenen Winterprotzmobilen. Hier ein Porsche Cayenne, dort ein Humer. Alle Fahrzeuge haben den legendären Skisarg auf dem Dach. Groß und klein trägt Kreationen der besten Wintersportkleidungsdesigner. Good Looking ist angesagt. Ebenso wichtig ist der richtige Ski. Good Looking auch hier! Somit drängt man die noch weniger beliebten Holländer ins modische Abseits. Auch in Berchtesgaden hat sich Skitourismus angesiedelt. Hier locken Berge und Schnee die Massen ebenfalls auf die Pisten. Den imposanten Watzmann aber kann man im Winter nur von unten bestaunen. Skilifte und Bergbahnen lässt er nicht zu auf seinem Buckel zu. Diese findet man, eher etwas veraltet, am „Jenner“. Die Gondel fasst gerade mal vier Mann. Gemächlich wird man auf den Gipfel geschaukelt. Geduld ist angesagt, aber das Panorama dafür gigantisch. Hier mischen sich schon einmal ein paar Münchener, Holländer, Nordlichter oder Neuseeländer unter die Menge. Auch die Ösis kommen herüber. Zu viel Betrieb auf deren Pisten. Doch den Berchtesgadenern ist das einerlei. Sie mögen Menschen. Egal woher diese kommen. Es gibt selten Gedränge an den wenigen Skiliften, dafür gute Stimmung. Lustig sind sie, die als verschroben geltenden Bergler.

Im Sessellift neben mir sitzt ein ehemaliger Rennläufer. Fast 80 ist er schon. Den Weg zum Gipfel verkürzen wir uns mit einem Gespräch. Er hat viel zu erzählen. Interessantes, Anschauliches und lustige Geschichten aus vergangenen Tagen. Oben angekommen wartet er geduldig, bis ich meine Skischuhe geschlossen, meine Handschuhe übergezogen, Skier und Stöcke in Position gebracht habe. Er fährt noch wie ein junger Gott. Fehlerfrei, sicher und schwungvoll. Am Schlepplift, hier noch immer populär, hält er mir den Bügel bereit und hilft mir anschließend sachte auszusteigen. Ein charmanter Bergler eben. Zwei Stunden lang versuche ich seinem Rhythmus zu folgen, seine Spur zu halten, dann genehmige ich mir eine Pause. Ich fühle mich ausgepowert, bin total k.o. Er aber sprintet zurück zum Lift, um weiter über die Hänge zu gleiten.   Gut dass ich eine 10-Stundenkarte genommen habe. So buche ich also die zwei Stunden von meinem Konto ab, der Rest bleibt für weitere Skitage.
Ich mache mich auf zur Hütte. Dort ist Leben abseits der Pisten angesagt, alle Plätze sind besetzt. Man rückt ungefragt zusammen. Mit einem „Setz di her da, Dirndl“, bietet man mir einen Sitzplatz an. Die Bedienung ist ebenso charmant und flott wie der Rennläufer.
„Die kommt aus Salzburg“, klärt mich ein Einheimischer auf, „deshalb ist sie so freundlich“.  
Am Fuße des Jenner liegt der Königssee, ein mystischer und ebenso berühmter Bergsee. Der mit dem klaren Wasser und dem Echo. Dort ist auch die bekannte Bob- und Rodelbahn.
Hier gibt es sogar ein paar Hütten mit DJ und Apres Ski. In Berchtesgaden hat man unter anderem die Möglichkeit am „Götschen“ oder am „Rossfeld“ Ski zu laufen. Am Obersalzberg, dem sogenannten „Gutshof“ befindet sich ebenfalls ein Skilift. Ein Anfängerlift, der vorwiegend von Skischulen bevölkert wird. Im Sommer befindet sich hier ein Golfplatz. Es ist der sogenannte Hausberg der Hotelgäste des monumentalen Berchtesgaden Resort Hotels.
Hier bietet man auch Snowbike-Kurs zu belegen. Nach anfänglichem Sträuben wagte ich mich, als eingefleischte Skiläuferin, auf das moderne Rad auf Skiern. Snowbiken ist tatsächlich eine Sportart, die man in nur zwei Stunden beherrscht, die alle Körperteile in Bewegung hält. In der Warteschlange am Lift kann man sich im Sitzen ausruhen. Während Alpin-Skikursteilnehmer nach zwei Stunden noch immer die Schneepflugtechnik am Anfängerhang üben, cruist man mit dem Snowbike bereits nach einer Stunde lässig die Pisten hinunter.
Meine Outdoor Erfahrungen habe ich übrigens alle bei “TeamWatzmann” erhalten. Dort bietet man von Snowbike über Schnee-Schuhlaufen im Winter bis zu Hochseilgarten und Rafting im Sommer ein umfangreiches Outdoor-Programm an. Einfach mal rein schauen unter: www.teamwatzmann.de
Gute Leitung, fachkundige Guides und perfekter Service!
 

© by Isabella Pozarnik

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